Elektrophysiologie (VEP=Visuell evozierte Potenziale)
Grundlagen:
Die Ableitung evozierter Potenziale ist ein in der Neurophysiologie gebräuchliches Verfahren zur Messung der Leitung und der Antwort von verschiedenen Reizen in Nervenbahnen und Gehirn.
Das Sinnesorgan Auge, im menschlichen Gehirn wird durch 4 von 12 Hirnnerven repräsentiert, besitzt neben der Sehschärfe mannigfaltige Funktionen (Gesichtsfeld, Farben, Hell-Dunkel, Beweglichkeit etc.). Diese Parameter messen zu können, ist ein wichtiges diagnostisches Mittel auch für die, über das Auge hinausgehende Erkrankungen. Maßeinheiten hier sind z. B. Amplitudenhöhen und Millisekunden. Der Weg von A nach B funktioniert über Reizleitungen/“Stromleitungen“.
Die verschiedenen Sinnesqualitäten des Menschen, z. B. das Sehen, Hören und das Fühlen, werden über Sinnesorgane aufgenommen (Auge, Ohr und Haut), über zugehörige Nerven geleitet und im Gehirn in unterschiedlichen Regionen verarbeitet. Gestörte Sinneswahrnehmungen können also auf krankhaften Veränderungen beruhen, die entweder das Sinnesorgan, die Nervenbahnen oder das Gehirn selbst betreffen.
Mit Hilfe der Ableitung und Aufzeichnung evozierter Potenziale können Störungen erfasst werden, welche das Gehirn und die Nerven betreffen. Zu diesem Zweck werden dem Patienten – ähnlich wie beim EEG – Elektroden am Kopf befestigt, welche die Hirnströme messen. Spezifische Reize (visuelle, akustische oder sensorische) sorgen nun für eine minimale Veränderung dieser Hirnstrom-Aktivität über bestimmten Arealen des Gehirns. An der Form und dem zeitlichen Auftreten dieser Reizantwort lassen sich Leitungs- oder Verarbeitungsstörungen erkennen.
Visuell evozierte Potenziale (VEP) werden erzeugt, indem der Patient eine Art Schachbrettmuster betrachtet, das in Sekundenabständen von Schwarz nach Weiß springt. Die dabei entstehenden Potenziale werden anhand von Elektroden gemessen, die über der Okzipitalregion (hinteres Gehirn) angebracht werden. Die Auswertung erfolgt für die beiden Augen getrennt. Die VEP dienen im Besonderen der Erkennung und Verlaufsbeobachtungen der Multiplen Sklerose (MS) sowie der Entdeckung von Tumoren, Durchblutungsstörungen, und Entzündungen in der Sehnervenregion.
Typische Fallbeispiele für angeborene und erworbene Netzhaut- (M. Stargardt, Bulls Eye etc.) und Sehnervenerkrankungen (autosomal dominante Optikusatrophie, Lebersche Optikusatrophie, Neuritis nervi optici, Glaukom etc.) werden angezeigt.
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